Um welchen Schädling handelt es sich?
Aromia bungii ist eine Bockkäferart (Familie: Cerambycidae). Der Schädling hat seinen Ursprung in Ostasien mit einem Verbreitungsgebiet, das sich über verschiedene Klimazonen erstreckt: von Ostsibirien (nördlichste Populationen) über China, Mongolei, Korea, Japan bis Vietnam (südlichste Populationen). Hauptwirtspflanzen sind Steinobstbäume (Prunus spp.). Die Art befällt in ihrem Ursprungsgebiet auch andere Laubgehölze. In Europa eingeschleppte Populationen wurden ausschließlich auf Prunus-Arten nachgewiesen.
Der Asiatische Moschusbock wurde 2011 zum ersten mal in Europa in einem Privatgarten in Rosenheim/ Kolbermoor (Bayern) gefunden. Seither wurden 189 Käfer an verschiedenen Prunus- Arten auf einer Befallsfläche von 213 ha gefunden, der Befall konnte trotz Maßnahmensetzung (Rodung befallener Bäume) nicht getilgt werden. Die Überwachung erfolgt 2026 in einem abgegrenzten Gebiet von knapp 11.900 ha. In Italien tritt A. bungii in einem großen Eindämmungsgebiet in Kampanien, westlich von Neapel auf. In der Lombardei konnte die Befallsfläche aufgrund der getroffenen Rodungsmaßnahmen auf 189ha reduziert werden. Kleinere Ausbrüche befinden sich in Latium (bei Rom) und in der Toskana.
Was sind die Einschleppungswege und wie erfolgt die Ausbreitung?
Eine Einschleppung ist im Larven- und Eistadium durch den Handel mit Befallsländern möglich (Drittstaaten und EU-Befallsgebiete). Einschleppungspfade sind Holz und Holzverpackungen, sowie Pflanzen zum Anpflanzen insbesondere von Prunus-Arten.
Wie bei anderen Bockkäfern erfolgt die natürliche Ausbreitung in der Regel relativ langsam. Die Larvenentwicklung dauert 2-3 Jahre und die Käfer selbst legen nur kurze Distanzen zurück (häufig legen die Weibchen die Eier am selben Baum ab in dem die Larvenentwicklung stattfand).
Was wird getan, um die Einschleppung und Verbreitung zu verhindern?
Die Einfuhr von Pflanzen, zum Anpflanzen von Prunus-Arten aus den oben genannten Befallsländern ist verboten.
Mit dem Durchführungsverordnung (EU) 2025/2520 wurden die Maßnahmen zum Schutz der Mitgliedsstaaten gegen die Einschleppung und weitere Ausbreitung von Aromia bungii aktualisiert. Aufgrund der jüngsten Funde in Kirschlorbeerpflanzen ist nun die gesamte Gattung Prunus von den Bestimmungen erfasst (die Ausnahme für Prunus laurocerasus wurde gestrichen). Zudem wurden genauere Vorgaben für die risikobasierte Überwachung in den Mitgliedsstaaten und die Erstellung der Notfallpläne festgelegt. Die bereits bestehenden Einfuhrkontrollen an den Eintrittstellen in die EU (Flughäfen, Häfen, Landweg) für die Einfuhr von Holz aus Befallsländern gelten natürlich weiterhin, wie auch die Auflagen für die Verbringung in der EU.
In Österreich werden Einfuhrkontrollen an Pflanzen und pflanzlichen Produkten vom Bundesamt für Ernährungssicherheit und an Verpackungsholz vom Bundesamt für Wald durchgeführt. Die Pflanzenschutzdienste der Bundesländer führen Erhebungen zur Früherkennung möglicher Befallsherde durch.
Wie kann man einen Befall erkennen?
Die Käfer schlüpfen im Juni und nutzen vorzugsweise gestresste oder vorgeschädigte Bäume als Brutbaum, können aber auch vitale Bäume besiedeln. Aus den 6-7 mm langen weißen Eiern, die in Baumritzen abgelegt werden, schlüpfen Larven (Bild 1), die zwei bis drei Jahre unter der Rinde bis ins Splintholz fressen (Bild 2), seltener gelangen sie auch bis ins Kernholz. Erkennbar wird ein befallener Baum durch den Auswurf von rötlichem Sägemehl an der Rinde bzw. am Stammfuß (Bild 3). Dies geschieht durch die Fraßtätigkeit der Larven im Holz, kann aber mit Symptomen anderer Holzschädlinge an Prunus (wie z.B. Blausieb, Weidenbohrer oder anderen Bockkäfern) verwechselt werden.
Die Larven können eine Länge von bis zu 5 cm erreichen, bevor sie sich verpuppen. Der adulte Käfer verlässt den Stamm über ein Ausbohrloch. Aromia bungii ist tagaktiv und wird bis zu 4 cm groß, hat schwarze, lackartig glänzende Flügeldecken und ein rotes Halsschild (Bild 4). In Italien wurden auch völlig schwarze Käfer gefunden.
Bitte melden Sie Verdachtsfälle an den zuständigen Pflanzenschutzdienst ihres Bundeslandes!
Welche Bedeutung hat der Schädling für die Pflanzenproduktion in Österreich?
Aufgrund seines Ursprungs im nördlichen Ostasien ist Aromia bungii an das gemäßigte Klima in Mitteleuropa perfekt angepasst. Bäume können einen Befall mehrere Jahre ertragen. Langfristig entsteht eine Schädigung durch die den Stamm durchziehenden Larvengänge und der Baum stirbt ab.
Aufgrund der Situation im Befallsgebiet in Bayern muss auch mit einer Ausbreitung und der dauerhaften Ansiedlung in Österreich gerechnet werden. Bei einer Früherkennung eines Befalls ist die Chance einer Ausrottung groß. Wie das Beispiel in Kampanien, Italien zeigt, kann ein unkontrollierter Befallsherd zur Entwicklung mehrerer Käfergenerationen führen und damit beträchtliche Ausmaße annehmen. Eine regelmäßige Überwachung und Kontrolle der Bestände ist deshalb notwendig.
Wo kann ich weitere Informationen zum Asiatischen Moschusbock finden?
Informationen und Risikobewertung der EPPO: https://gd.eppo.int/taxon/AROMBU
Informationen des Bundesamtes für Wald: https://www.bundesamt-wald.at/forstlicher-pflanzenschutz/schadorganismen/asiatischer_moschusbockkaefer.html
EFSA Pest Survey Card zu A. bungii: https://arcg.is/1SeSCb
- generischer Notfallplan und spezifischer Notfallplan für prioritär geregelte Bockkäfer-Arten: pflanzenschutzdienst.at/notfallplaene
Für den Inhalt verantwortlich:
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Amtlicher Pflanzenschutzdienst
DI Robert Steffek
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Stand der Information: Jänner 2026