Japankäfer (Popillia japonica)

Um welchen Schädling handelt es sich?

Popillia japonica oder zu Deutsch Japankäfer ist ein Blatthornkäfer, der – wie sein Name verrät – aus Japan stammt, wo er aufgrund von natürlichen Fressfeinden unbedeutend ist. In den USA, wo die Art bereits vor rund 100 Jahren eingeschleppt wurde, wurde der Japankäfer jedoch schnell zur Plage und besiedelt heute verschiedene Klimate Nordamerikas von Ontario und Quebec in Kanada bis Texas, Georgia und Louisiana im Süden der USA bzw. von den Staaten an der Atlantikküste bis zu den Rocky Mountains. 

Der Japankäfer schädigt über 300 unterschiedlichste Pflanzenarten verschiedenster Gattungen und Familien. Die Larven fressen im Wurzelbereich v.a. von Grünland- und Wiesenpflanzen. Adulte Käfer ernähren sich vom Laub von Zierpflanzen-, Obst- Wein-, Gemüse- und landwirtschaftlichen Kulturen.

In Europa wurde P. japonica bereits um 1970 auf den Azoren nachgewiesen. 2014 wurde der Japankäfer erstmals in Norditalien entlang des Flusses Ticino (Grenze Lombardei/Piemont) entdeckt. Da sich der Flughafen Mailand-Malpensa nicht weit vom Ort des Erstfundes befindet, geht man davon aus, dass P. japonica mit dem Flugzeug nach Italien eingeschleppt wurde. Mittlerweile breitete sich der Käfer entlang des Tessintals bis weit in den Tessin (CH) aus, die Befallsfläche in Norditalien reicht von der Lombardei, dem Piemont, dem Aostatal bis zur Emilia-Romagna.

Im Sommer 2023 wurden weitere Ausbruchsherde in der Nähe des Flughafen Zürichs und in Lignano (Region Friaul-Julisch Venetien) gefunden.

Was sind die Einschleppungswege und wie erfolgt die Ausbreitung?

In den letzten Jahren wurden regelmäßig einzelne adulte Käfer von P. japonica in Pheromonfallen in IT, DE, FR und der CH fernab vom Befallsgebiet gefangen, sodass man heute davon ausgeht, dass die unbeabsichtigte Ausbreitung adulter Käfer als „hitchhiker“ entlang von Verkehrs- und Handelsrouten den wichtigsten Einschleppungspfad darstellt.  Darüber hinaus könnte auch der Handel von Pflanzen mit Erdballen in dem sich Eiablagen, Larvenstadien oder Puppen des Käfers befinden, einen Einschleppungspfad nach Österreich darstellen.

Natürliche Ausbreitung: in der Regel bewältigt der Käfer nur kurze Distanzen (um 500m). Insbesondere bei steigender Populationsdichte kann er jedoch mit Hilfe des Windes auch Entfernungen über mehrere km zurücklegen und so Satellitenpopulationen ausbilden. In Eindämmungsgebieten mit idealen Bedingungen und sehr hohen Populationsdichten wurde von einer jährlichen Ausbreitung bis zu 24 km pro Jahr berichtet.

Was wird getan, um die Einschleppung und Verbreitung zu verhindern?

P. japonica ist als Unionsquarantäneschädling (--> prioritärer Schädling) gelistet. In der Durchführungsverordnung (EU) 2023/1584 werden einheitliche Überwachungs- und Bekämpfungsmaßnahmen zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Japankäfers in Europa festgelegt: 

  • In großen Ausbreitungsgebieten wird versucht, den Befall im Gebiet einzudämmen. 
  • Bei neuen Funden einzelner Käfer, wie z.B. in Zürich und in Lignano (s.o.) wird versucht durch rasche umfassende Maßnahmen den Ausbruch zu tilgen. 
  • In jedem Fall soll durch die Maßnahmen der Aufbau hoher Populationsdichten, die eine noch raschere Ausbreitung zur Folge haben, verhindert werden.

Für den Erfolg der Tilgung ist die Früherkennung eingeschleppter Populationen unmittelbar nach der Einschleppung essentiell. Die Erhebungen dazu erfolgen in allen EU-Staaten koordiniert, indem Pheromonfallen zur Früherkennung eingeschleppter Käfer eingesetzt werden. Diese Lockstoffe werden risikobasiert bei zu erwartenden Einschleppungspfaden angebracht (z.B. bei Containerterminals im Schienen- und Straßenverkehr etc.). In Österreich wird diese Überwachung von den Pflanzenschutzdiensten in den neun Bundesländern durchgeführt.

Das Vorgehen bei der Bekämpfung wird im Detail in einem Notfallplan beschrieben, der eine einheitliche Vorgehensweise im Falle des Auftretens des Japankäfers in Österreich gewährleistet.

Weiters führt das Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) Importkontrollen von Wirtspflanzensendungen an Ersteintrittstellen durch (z.B. am Flughafen Wien) und die Amtlichen Pflanzenschutzdienste in den Bundesländern überprüfen die Freiheit von Pflanzen im Zuge von Kontrollen im Binnenhandel.

Wie kann man einen Befall von Popillia japonica erkennen?

Adulte Käfer sind bei uns nicht vor Juni (Temperaturen ab 21° bis 35°C) und bis etwa Mitte September zu erwarten. Die Aktivität ist an bewölkten und windigen Tagen geringer und an regnerischen Tagen wird sie unterbrochen. In Befallsgebieten können die Larven im oberen Bodenhorizont (0-30 cm) über das ganze Jahr gefunden werden (im Frühjahr vor der Verpuppung sind sie größer und damit besser zu erkennen).

Die adulten Käfer sind etwa 8 bis 11 mm lang und 5 bis 7 mm breit, grün metallisch schillernd mit kupferfarbigen Flügeldecken und 12 weißen, behaarten Stellen am Hinterleib (je 5 seitlich und 2 größere Punkte am Hinterende, Bild 1).

Wie die meisten Blatthornkäfer bevorzugt der Japankäfer junges Pflanzengewebe, daher beginnt der Käfer die Fraßtätigkeit oben an der Pflanze und „arbeitet“ sich dann sukzessive nach unten. Die Käfer sind gesellig und es sind viele Exemplare auf einer Pflanze oder einer Frucht zu finden, während benachbarte Pflanzen unversehrt erscheinen können (Bild 2).

Die Weibchen legen die Eier in die Erde von Wiesen ab, wo die geschlüpften Larven an Wurzeln fressen und in 10-30 cm Tiefe überwintern (im 3. Larvenstadium). Rasen- und Wiesenflächen werden dadurch mitunter stark geschädigt. Wenn die Temperatur im Frühling über 10°C steigt, nehmen die Larven ihre Fraßtätigkeit wieder auf und verpuppen sich nach einigen Wochen. Ende Mai bis Anfang Juli schlüpfen die adulten Käfer. Die Käfer fressen an den Blättern das Gewebe zwischen den Adern (Skelettfraß, Bild 3). Bei dünnen Blättern oder an Blüten fressen sie mitunter auch größere Teile ab. Sehr feste, dicke Blätter werden gemieden. Befallene Blätter verbräunen und fallen ab. Bei Mais sind die Körner nicht ausgereift und missgebildet. Die Larven sind für Blatthornkäfer typisch „C-förmig“, cremeweiß mit einer gelblich-braunen Kopfkapsel und sind für Laien nur schwer von anderen Blatthornkäferlarven unterscheidbar (Bild 4).

Zu verwechseln ist der Japankäfer u.a. mit dem Gartenlaubkäfer Phyllopertha horticola (Bild 5), dieser hat jedoch keine weißen Haarbüschel. Hinsichtlich der weißen lateralen Haarbüschel kann P. japonica auch mit dem Getreidelaubkäfer (Anisoplia austriaca) verwechselt werden, allerdings ist dieser größer (12-16 mm), Kopf und Thorax sind schwarz und die Art weist ein viereckiges dunkles Schild auf den Flügeldecken beim Halsschild auf.

Bitte melden Sie Verdachtsfälle an den zuständigen Pflanzenschutzdienst Ihres Bundeslandes.

Welche Bedeutung hat der Schädling für die Pflanzenproduktion in Österreicht?

P. japonica befällt zahlreiche Pflanzengattungen. Es sind hier die für Österreich bedeutendsten Wirtspflanzen gelistet:

  • Wein (Vitis vinifera)
  • Zierpflanzen: Rosa spp. (Rosen), u.a.
  • Obstbäume: Malus domestica (Apfel), Prunus-Arten wie v.a. Pfirsich und Zwetschke, Corylus avellana (Haselnuss) u.a.
  • Gehölze: Acer sp. (Ahorn), Tilia sp. (Linde), Ulmus sp. (Ulme), Populus sp. (Pappeln), u.v.m.
  • Beerenobst: Rubus-Arten wie Brombeere, Himbeere; Fragaria (Erdbeere) wird v.a. von Larven befallen
  • Wiesenflächen, insbes. gut gepflegte Rasen, Golfplätze u. dgl., Grünlandflächen werden v.a. von Larven befallen
  • Landwirtschaftliche Kulturen: Zea mays (Mais), Glycine max (Sojabohne), Solanum lycopersicon (Paradeiser), Phaseolus vulgaris

Bodenfeuchtigkeit und Temperatur sind die wichtigsten Faktoren, die die potenzielle Ansiedlung des Japankäfers in neuen Gebieten begrenzen können. Hinsichtlich Bodenfeuchte bevorzugt der Japankäfer schwere, feuchte Böden. Auf trockenen Böden kann eine intensive Beregnung das Risiko der Ansiedlung erhöhen. 

Hinsichtlich der Temperaturen ist der Käfer an das Winterklima in Österreich gut angepasst. Für die Entwicklung einer Generation benötigt der Japankäfer eine bestimmte Temperatursumme (Gradtage über 10°C). In Österreich wird die benötigt Temperatursumme vielerorts nur in einer Zeitspanne von zwei Jahren erreicht, sodass für AT gebietsweise auch von einem zweijährigen Lebenszyklus auszugehen ist. Darüber hinaus beeinflussen die vorwiegende Flächennutzung und die Bewirtschaftungsform die Entwicklung der Population. Extensive Grünland- und Ackerflächennutzung begünstigen einen raschen Populationsaufbau. Gebiete mit vorwiegend Nadel- oder Mischwäldern sind weniger geeignet.

Wo kann ich weitere Informationen zu Popillia japonica finden?

 

Für die Informationen verantwortlich:

Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Amtlicher Pflanzenschutzdienst

DI Robert Steffek
E-Mail senden

Stand der Information: August 2023